Buchcover "Sehnsucht des Raumes"
Michael Pfeifer (Hg.)

Sehnsucht des Raumes

St. Peter und Paul in Dettingen und die Anfänge des modernen Kirchenbaus in Deutschland
Dominikus Böhm, Martin Weber, Reinhold Ewald

192 Seiten, 21 x 28 cm, 65 farbige und 154 s/w Abbildungen, Fadenbindung, fester Einband
EUR 39,90 · ISBN 3-7954-1180-7 · Verlag Schnell & Steiner Regensburg 1998

vergriffen

Zum Geleit

 

St. Peter und Paul in Dettingen am Main war nach der Notkirche in Offenbach der erste Kirchenbau, den Dominikus Böhm realisieren konnte. In der Folgezeit hat Böhm wie kein zweiter den Kirchenbau revolutioniert. Seine Dettinger Kirche war gewissermaßen eine Initialzündung für die deutsche Architekturgeschichte. Dieser Bedeutung entsprechend wird aus Anlaß des 75jährigen Weihejubiläums ein Band vorgelegt, dessen Beiträge vielfältige Facetten des Themas aufleuchten lassen.

Erster Schwerpunkt ist die Architektur. Anhand der Interpretation, die die Architekten Dominikus Böhm und Martin Weber ihrem Bau im Rahmen der Denkschrift zur Einweihung der Kirche beigegeben haben, wird ihr Standort bei der Konzeption des Baus analysiert. Das Bauwerk selbst wird detailliert beschrieben und in historische Zusammenhänge eingeordnet – dazu gehört die Einbettung in zeitgeschichtliche Strömungen ebenso wie der Ausblick auf den katholischen Kirchenbau der letzten 75 Jahre. Auch Perspektiven für eine zeitgemäße liturgische Nutzung des Raumes werden entwickelt.

Während die Leistung der Architekten seinerzeit breite Zustimmung fand, wurde die Ausgestaltung durch den Hanauer Maler Reinhold Ewald heftig diskutiert. Die damalige Auseinandersetzung wird anhand von zeitgenössischen Zeugnissen dokumentiert. Eine Annäherung an die Fresken selbst, die die Dettinger Kirche erst zu diesem einzigartigen Dokument des Expressionismus machen, als das wir sie heute vor uns sehen, geschieht auf kunsthistorischem, biographischem und theologischem Weg.

Fragen nach der religiösen Einordnung des Dettinger Kirchenbaus, seiner Gestalt und Ausstattung bilden einen dritten Schwerpunkt. Hier ist vor allem das Programm der „Meßopferkirche“, wie sie damalige Theoretiker entwickelten, zu untersuchen. Immer aber muß im Blick bleiben, daß die Kirche Heimat für Glaubende ist und nicht ohne Sinnverlust aus dem Kontext der Gemeinde in Dettingen gelöst werden kann. Dem Anliegen theologischer Kunstvermittlung dienen auch die Meditationsseiten, die an verschiedenen Stellen im Buch zur Betrachtung auch oft übersehener Details der Dettinger Kirche einladen.

Ich danke allen am Zustandekommen dieses Jubiläumsbandes Beteiligten, besonders den Autorinnen und Autoren, die deutlich werden lassen, daß sich in Dettingen eine Kirche befindet, die einen Meilenstein für den deutschen Kirchenbau darstellt.

Der Herausgeber